Hahn in Haft

 
   
Manfred, der westfälische Totleger, hat nach zwei Monaten heute die Gefängnismauern der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg wieder verlassen. Einer Straftat hat er sich nicht schuldig gemacht - vielmehr hat er den Gefängnisaufenthalt durchaus genossen.
Manfred ist stolzer Hahn des Wiesengutes (Versuchsbetrieb für Organischen Landbau der Universität Bonn in Hennef) und Mitglied der alten, vom Aussterben bedrohten Hühnerrasse "Westfälische Totleger", deren Erhaltung sich das Wiesengut angenommen hat.

Westfälische Totleger
Während sich vor 100 Jahren ihre Besitzer noch häufig sorgten, dass sich die eifrigen Hühner mit rund 200 Eiern im Jahr "zu Tode legen" würden, bekam die aus Westfalen stam-mende Hühnerrasse zunehmend Konkurrenz von modernen Hochleistungsrassen, die dank hochkonzentrierten Futters die genügsamen Westfalen im Eierlegen heute weit übertreffen. Die Totleger gerieten schnell in Vergessenheit und wurden nur knapp vor dem Aussterben bewahrt. Übergabe des Hahns

Mit dem Ziel, das Fortbestehen dieser alten Rasse auch weiterhin zu gewährleisten, bekam Manfred "Hafturlaub" in der JVA in Siegburg, und durfte die dortige Hühnerschar - ebenfalls Westfälische Totleger - beglücken. Die Tiere werden dort im Rahmen der Arbeitstherapie von straffälligen Jugendlichen betreut. Manfred hat in der Zeit 80 Nachkommen gezeugt, die als wertvolle Zuchttiere wieder an andere Hühnerhalter abgegeben werden. Innerhalb der Gefängnismauern war der Hahn im Korb natürlich nicht hinter Gittern untergebracht, sondern hatte mit seinen Damen den für Biohühner vorgeschriebenen Auslauf zur Verfügung.
Nachwuchs von Manfred
Manfred und weitere alte Haustierrassen und Nutzpflanzenarten sind Schwerpunkt des diesjährigen Tages der offenen Tür auf dem Wiesengut in Hennef am 1. September 2002. Hühnerhaltung in der JVA
Ein Beitrag des Instituts für Organischen Landbau der
Universität Bonn zur Aktion biologischevielfalt.de